21 Mai 2008

Sowas von schwanger - 9. Monat

Der erste Geburtsvorbereitungskurs wird nun endlich absolviert. Im Schwimmbad. Bisschen rumplanschen und die Bäuche strecken... alles sehr angenehm. Besser als auf Medizinbälle sitzen, auf Matten rumrollen oder sonstwie im Trockenen Turnen. Ich kann den Kurs allen Sportmuffeln nur wärmstens empfehlen :o)

Am Donnerstag findet dann der letzte Frölein-Gig in Sempach statt. In einem Treibhaus. Mitten im Blumenmeer. Ein tolles Konzert und es kommen meeegaviele Leute. Frölein kann also ein letztes Mal ihre Schwangerschafts-Witze reissen und die merkwürdige Optik als Hochschwangere nochmals gezielt einsetzen… und dann ist ende Feuer für zwei Monate. Zwei Monate. Ich fürchte fast, es wird mir fehlen. Allerdings: wenn dann unser Bébéli da ist, hab ich vermutlich so viel Anderes zu tun... Frölein kann warten :o)

So langsam werden die Grossmütter nervös. Mein Mami führt mir stolz ihren tollen Wickeltischaufsatz vor – und ich bin ja voll neidisch. So super eingerichtet bin ich nicht. Jedoch zeigt sich, dass sich unser Bébéli auf eine bestens eingerichtete Grossmutter freuen kann. Ich meinerseits hab afig den Schrank für das Kinderzimmer gestrichen. Und unser Stubenwagen ist jetzt auch parat. Die zweite Grossmutter hat uns den Spreusack befüllen lassen und das Vorhängli gestärkt und aufgebügelt und somit ist nun der Stubenwagen-Inhalt auch komplett. Bis auf das Kind natürlich.

Der Räuber ist jetzt mitten in den Abschlussprüfungen der Jägerausbildung. So wie es aussieht, läuft es gut und man darf darauf hoffen, dass unser Bébéli als Kind eines Jägers zur Welt kommen wird :o) Ich bin derweil dabei mir Sorgen ums Zügeln zu machen. Soooo viel Zeugs… das muss alles noch sortiert werden. Herrje!

Aber in erster Linie muss ich mir mal Gedanken um die Geburt machen. Mein Spitalköfferli ist immer noch nicht gepackt. Das steht aber als nächstes auf meiner Liste. Zum Glück geht eine Schwangerschaft zehn Monate. So hab ich noch ein bisschen Zeit :o)

20 Mai 2008

Sowas von schwanger - 8. Monat

Am Wochenende steht der Honky Tonk Gig in Luzern auf dem Programm. Ein wahrer Musikmarathon. Das Publikum ist supertoll und die Stimmung ebenfalls, aber das Ganze ist schon seeeeehr anstrengend. Ich bin anschliessend froh, dass ich zwei Tage frei habe um mich zu „regenerieren“ :o)

Diesen Monat ist wieder so einiges los. Ein Gogger-Gig auf der Alp zum Beispiel. Ins reguläre Goggerkleid passe ich nun definitiv nicht mehr – Stretchstoff hin oder her – und so muss ich mir halt ein improvisiertes Kleid zusammenstellen. Geht ja auch. Dann kommt noch das Filmteam von StarTV vorbei um die Film-Aufnahmen für die Prix Walo Verleihung zu machen.
Ebenfalls diesen Monat geht’s auf nach Zürich zur SUISA. Ich hatte ja mal wieder voll Glück und wurde ganz offiziell das 25‘000ste SUISA-Mitglied. Und das wird nun gefeiert. Mit Apéro und Frölein-Auftritt im SUISA-Hauptsitz.

Und endlich steht wieder ein Besuch beim Frauenarzt an – mit Ultraschall. Folglich ist der Räuber ebenfalls mit von der Partie. Erst wuselt die Ärztin rum wie wild, vermisst, berechnet und kontrolliert so schnell wie der Blitz… da kommt man als Laie gar nicht mit du. Anschliessend dürfen wir dann aber doch noch in Ruhe gucken, was da so alles an unserem Bébéli dran ist. Es ist halt schon faszinierend – ein Minimensch wird lebensfähig. Das Bébéli ist mittlerweile bereits 2 Kilo schwer! (Ojeoje. Der Räuber hat diese Woche Züpfe gebacken und so erscheinen vor meinem geistigen Auge zwei Kilopack Mehl… und ich muss das auf die Welt bringen!? Heimatland!)
Dann die brennende Frage: sieht man, was es ist? Frau Doktor guckt, meint dann sehr überzeugend „jawoll“ und zeigt es uns. Wir sehen natürlich nix. Weisse und schwarze Flecken – wie immer – aber nichts, das auf Männlein oder Weiblein hindeuten würde. Sie erklärt uns, wie das zu betrachten ist und wir erfahren endlich, welches Geschlecht unser Bébéli hat.

Auf diesem Ultraschallföttali hier sieht man es ganz deutlich – sagt die Ärztin. Aber ich seh da nix.



Was mir in dieser Woche auffällt: Wassereinlagerungen. Was für ein Reizwort! Die meisten Schuhe passen nicht mehr so wie sie das sonst tun und auch die Hände sind manchmal aufgedunsen wie nach dem Wandern… Tja, das heisst jetzt wohl Stützstrümpfe anziehen. Sexy :o(
Ausserdem hab ich wieder zugelegt. Goooopf!

Bis zur Geburt sind‘s noch ein paar Wochen hin – und das ist gut so. Ich hab noch keinen einzigen Kurstag in Geburtsvorbereitung absolviert, der Stubenwagen ist noch immer nicht parat, das Spitalköfferli nicht gepackt - und an die Entbindungsart hab ich bisher keinen einzigen Gedanken verschwendet… zwei Pack Mehl… Puh! Und das bleibt ja nicht dabei – das wir ja sogar noch mehr…

Die letzte wirklich strenge Woche vor der Geburt steht an. Es gibt einen Mittwochs-Gig, ein Gogger-Konzert in Rickenbach am Freitag, Prix Walo Probe, ein Frölein-Gig am Samstag, Prix Walo Gala am Sonntag und ich bin voll krank. Aber richtig. Schluckweh, Heiser, Schnupfen… Scheisse ist das. Habe beim Jost Andi sämtliche Spagyrik- und homöopathie-Arznei gepostet die ich nehmen darf, damit es wenigstens einigermassen erträglich wird. Und irgendwie geht das Wochenende dann auch über die Bühne. Zum Glück habe ich eine liebe Schwägerin in Spe, welche mich den ganzen Samstag herumchauffiert. Höhepunkt der Woche: die Prix Walo Gala am Sonntag. Mit der Einstellung auf eine Frölein-Playback-Show bin ich an den Proben am Samstag guten Mutes - es kann ja nichts schiefgehen - doch der Regisseur befindet, dass eine Live-Performance doch viel cooler wäre... na bravo.

Vor dem grossen Auftritt bin ich dann natürlich entsprechend nervös, aber die Frauen in der Maske machen mir mut. Und schminken mich gleichzeitig so heftig, dass ich aussehe wie ein Pandabär. Auf der Bühne sieht das dann nach „Kelly Osbourne spielt Euphonium“ aus. Der Auftritt selbst gelingt aber recht gut und die Resonanz ist durchwegs positiv – uff! Bin ich froh!!

Die ganze Gala ist natürlich hochspannend. Viel Prominenz und viel Klimbim - nicht gerade alltäglich. Und mittendrin das Frölein mit dem grossen Bauch. Ich war ja noch nie an einer so bedeutenden Gala und da sieht man dann unglaubliche Abendkleider, unglaubliche Schuhe und uuuuunglaublich viele prominente Leute... Und ich bin kugelrund, quietschgrün und unterwegs mit einer voll peinlichen Handtasche und noch peinlicheren Umstandsschuhen, aber was soll‘s – einer Schwangeren verzeiht man so manches. Der Räuber übrigens sah blendend aus – eine Krawatte in Grün-Tönen, farblich auf Fröleins Kleidchen abgestimmt (jaja, so bin ich dann wieder), dazu ein dunkelbraunes Hemd und seinen schwarzen Anzug… zum anbeissen! Wenn er nicht schon zu mir gehört hätte - ich hätt‘ den glatt angebaggert! Umgekehrt wäre das wohl eher nicht der Fall gewesen ;o)

19 Mai 2008

Sowas von schwanger - 7. Monat

Es steht mal wieder ein Termin bei der Frauenärztin an und erneut kann ich mich freuen: alles paletti. Bébélis Herztöne werden abgehört und das wummert und schlägt wie verrückt. Ausserdem muss ich wieder etwas Blut lassen und werde auf Schwangerschafts-Diabetes hin untersucht und – Glück gehabt – alles ist im grünen Bereich. Nachdem ich die letzten Wochen so abartig auf Süsses abgefahren bin habe ich schon befürchtet, ich sei diesbezüglich geliefert… aber nö. (Obwohl ich in meiner Schokoladengier sogar einen alten Osterhasen aus der hintersten Ecke des Schrankes gerissen und sogleich hingerichtet hab‘. Und nur so am Rande: Ostern war vor ziemlich genau einem Jahr. Aber da sieht man es deutlich; so weit können einen diese fiesen Hormone treiben.)
Leider diesmal kein Ultraschall und daher auch immer noch keinen Blassen, was es denn nun für ein Bébéli ist... es bleibt spannend. Seufz ;o)

Der Räuber wird Vater! Und zwar hochoffiziell. Es ist nun auf der Gemeinde schriftlich festgehalten und somit haben wir jetzt den „Segen der Behörde“ für unser Bébéli. Und Vater werden ist wirklich einfach: Man steht eine Viertelstunde auf dem Amt, gibt ein halbes Dutzend Unterschriften - und 110 Franken später hält man eine voll korrekte Vaterschaftsanerkennung in den Händen. Supi, oder?

Am Wochenende feiert mein Götti seinen Fünfzigsten und da bin ich natürlich auch dabei. Alle staunen wie mein Kugelbauch gewachsen ist. Nur meine Tante – Mutter von Zwillingen – zeigt sich unbeeindruckt. Sie erzählt mir ein bisschen aus ihrer Zeit als Zwillings-Hochschwangere und das ist wirklich furchterregend! Anschliessend bin ich froh, dass ich meine Füsse noch sehe und somit meine Schuhe noch selbst binden kann - und dass ich den Räuber in der Nacht nicht wecken muss, damit er mich von einer Seite auf die andere dreht, weil ich das alleine nicht mehr kann… ja, mein Bauch ist vergleichsweise „handlich“.



Ansonsten ist diese Woche voll tote Hose. Vor lauter nix-los mache ich einen sehr spontanen Coiffeurbesuch und schneide – unter Einfluss meiner Hormone natürlich – einen Grossteil meiner Haare ab. Sehr zum Schrecken vom Räuber. Mir gefällts allerdings total gut. Endlich mal was anderes. Und wie ich später herausfinde, bin ich bei weitem nicht die einzige Schwangere mit solchen hormonellen Spontanentschlüssen… zum Glück war’s ein Termin beim Coiffeur und nicht einer im Piercingstudio :o)

Was Frölein bereits geahnt hat, sollte sich bewahrheiten: ihr Kleid ist zu eng. Also muss ich ein anderes nähen. Ich hab mich für ein Grünes entschieden und ich hab mir richtig viel Mühe gegeben. Will ja an der Prix Walo Verleihung schliesslich noch einigermassen Gattung machen, gäu. Mit dem neuen Kleidli geht’s ins Tessin. Dort hab ich einen Gig für eine IT-Firma. Also drei Stunden runterrösseln, dann die grimmigen Hotelpagen zum Tragen organisieren und alles einrichten, anschliessend etwas ausruhen in der übergrossen Suite, flott machen und los geht's. Der Auftritt ist witzig, die Gesellschaft hat Spass und anschliessend gibts noch ein kühles Alkoholfreies an der Bar. Zwei Tischgenossen wagen sich - nachdem sie sich Mut angetrunken haben - an die heikle Frage nach meinem Alter und es stellt sich heraus, dass ich aufgrund der neuen Frisur wesentlich jünger rüberkomme… Tja, jetzt bekomme ich mein erstes Kind halt doch schon mit 23…

18 Mai 2008

Sowas von schwanger - 6. Monat



Jaja, jetzt merk ich das so langsam: wenn man schwanger ist, kann man nicht einfach rumtöben wie man will – auch wenn man sich eigentlich prächtig fühlt. Es hat Grenzen. Und die spüre ich an der Fasnacht. Alles ist etwas anstrengender als geplant und ich bin am Abend jeweils richtig fest müde… trotzdem mach ich an den willisauer Anlässen mit. Städtlifasnacht, Schmudo und Uslompete – nach Düsseldorf geh ich aber nicht mit. Das wär dann doch zu viel des Guten. Nächstes Jahr ist ja auch wieder Fasnacht, und dieses Jahr ist sie so kurz, dass sie schon vorbei ist, eh sie richtig angefangen hat. Nach etlichen alkoholfreien Bieren und viel schnapsfreiem Münzentee stehen wir bereits um den brennenden Pöög und verabschieden den Zunftmeister… Ende Fasnacht.



Ich bin im Moment dabei, eine Stelle zu suchen und lasse fleissig Bewerbungen raus. Je schwangerer ich allerdings bin, desto geringer die Wahrscheinlichkeit einer Anstellung. Trotzdem will ich mich diese Woche mal bei einem Personalvermittlungsbüro vorstellen gehen. Ich erzähle der netten Dame am Telefon folglich nichts vom Bébéli und geh einfach mal da hin. Nach kurzem Gespräch und der offensichtlichen Tatsache meiner Schwangerschaft, einigen das Personalfrölein und ich uns darauf, dass es im Moment keinen Job für mich gibt. Trotzdem wird es ein tolles Gespräch. Das Personalfrölein ist leidenschaftliche Hobbyesotherikerin und macht gleich mal eine Analyse von meinem Sternzeichen und von meinem Geburtsdatum und dann errechnet sie noch meine Lebenszahl… Laufbahnberatung mal anders. Und da hab ich wieder viel über mich und meine Sternzeicheneigenschaften gelernt. Und ich habe folgendes festgestellt: in dem was ich momentan tue, habe ich definitiv meine Berufung gefunden – das ist ja schon mal super. Allerdings weiss ich jetzt nicht, ob sich das auf das Musikmachen oder das Mutterwerden bezieht... Zudem bin ich intelligent (Jahaa!), berechnend, manipulativ, forschend, mysteriös und bisweilen unheimlich. Tja. Irgendwie bin ich froh, dass unser Bébéli garantiert nicht mein Sternzeichen haben wird ;o)

Diesen Monat hab ich nachgemessen. Es ist fast ein ganzer Meter. Mein Bauchumfang, der normalerweise um die 70 Zentimter beträgt, misst jetzt einen ganzen Meter. Ich hab mir online eine Umstandslatzhose bestellt und ich hoffe fest, dass die mir passt. Ich bin nämlich von meinen Improvisations-Umstandshosen (Gummibänder, Schüre und Sicherheitsnadeln…) weggekommen und hab mir zwei richtige Schwangerschaftshosen gekauft. Ist halt schon wesentlich bequemer. (Die haben Elastische Einsätze bis unter die Brüste und sehen zum Schreien komisch aus)
Ausserdem hab ich mit meinem Mami zusammen ihre alten Umstandskleider aus den Siebzigern ausgegraben und da hab ich auch noch das ein- oder andere tolle Stück gefunden. Tja und jetzt seh ich aus wie ein schwangerer Hippie. :o)

17 Mai 2008

Sowas von schwanger - 5. Monat

Das Jahr fängt ja toll an. Mich schlägt es mit Fieber und Husten ins Bett. Und zwar heftig. Ich mache mir Sorgen um unser Baby, so schlecht geht es mir. Aber das ist wohl die Quittung für so viel Programm und Arbeit in der letzten Zeit. Ich beschliesse, etwas kürzer zu treten und alles etwas langsamer anzugehen. Schliesslich will ich ja die Schwangerschaft geniessen und nicht ständig rumhetzen. Ich erhole mich nur langsam von dieser fiesen Grippe, denn ich kann ja kaum Medikamente nehmen... und all das homöopatische Zeug braucht halt einfach länger...

Allerdings kann ich gar nicht lange krank sein – ich hab ja schon wieder Termine. Ich singe am Kick Ass Award in der Schüür. Und ich habe Gigs mit dem Chörli. Und dann ist auch noch der „Battle of the Bands“... Glücklicherweise geht alles gut über die Bühne und ich kriege auch diese Woche rum. Mein reguläres Frölein-Kleid passt nun definitiv nicht mehr. Und das Chörli-Kleid spannt etwas... aber ich passe grad noch so rein. Zum Glück tragen wir da noch eine Federboa, sonst würde ich darin aussehen wie eine Leberwurst auf Beinen...

Diesen Monat findet das Finale des „Battle of the Bands“-Wettbewerbs im Luzerner Roadhouse statt. Und Frölein gewinnt prompt. Natürlich auch dank ihrer treuen Fans; das angehende Urgrosi sass in der ersten Reihe und war an diesem Abend mit ihren 80 Jahren die wohl älteste Roadhouse-Besucherin aller Zeiten! Dieser Sieg bedeutet, dass ich nun mit einer CD-Produktion starten kann. Fröide!

Bereits ist auch wieder Termin bei der Frauenärztin. Ich gehe zusammen mit dem Räuber. Wir könnenen unseren Zwerg im Ultraschall betrachten und gucken, ob wir rausfinden, welcher graue Fleck auf dem Bildschirm welches Körperteil sein könnte. Wir hätten ja zu gerne gewusst, welches Geschlecht unser Kind denn nun hat, aber nein: die Nabelschnur ist zwischen den Beinen und somit ist die Schnur nicht von einem Schnäbi zu unterscheiden und darum wissen wir gleich viel wie vorher... voll gemein. Und das, wo ich doch so ein Gwunderfitz bin...



Die Musik, die ein Kind im Bauch der Mutter zu hören bekommt, vermag es später zu beruhigen wenn es auf der Welt ist. Also gehe ich beim Nachhausefahren noch im Kinderladen vorbei um eine Spieldose zu kaufen. Ich hab mir nämlich überlegt, dass ich unserem Bébéli vielleicht nicht ständig den „Fuck Off Song“ oder „Kafi Träsch“ abspielen möchte. Unser Kind sollte Dank der Spieldose nun auch mit „La Le Lu“ aufzumuntern sein.

Nachdem ich die Fasnachtseröffnung sausen liess, weil ich noch kein Kleid hatte, gehts nun doch los mit der Fasnächtlerei. Die Napfrugger haben dieses Jahr das Motto „Vamos à la playa“ – was definitiv nicht mein favorisiertes Motto ist – aber es hat einen grossen Vorteil: das Kleid ist recht einfach und schnell gemacht, ohne grossen Aufwand zu betreiben. Hawaii-Hemd, Strohhut, Sonnenbrille, Shorts – und fertig ist der Bierbauchtourist. Und als solcher zieh ich also los – in eine alkoholfreie Fasnacht. Was für ein Abenteuer!

16 Mai 2008

Sowas von schwanger - 4. Monat

Da! Ein ganz komisches, ungewohntes Gefühl im Bauch. Kann es sein, dass ich soeben unser Bébéli gespürt habe? Ohne Quatsch jetzt. Da war doch was! Hei, ist das aufregend! Da sitzt man ruhig vor dem PC und plötzlich fühlt man, dass sich da was bewegt... ich hab mir das nie vorstellen können, wie das sein muss, wenn sich so ein Baby im Bauch bewegt - ja wie auch. Erst denke ich noch, das sei jetzt einfach meine Verdauung oder Luft im Bauch oder sowas... gegen Ende der Woche bin ich mir sicher: das ist unser Bébéli, das ich da spüre. Es zappelt rum. So cool!

Diesen Monat ist grübeln angesagt. Ich mache mir Gedanken über die Zukunft, die Finanzen... ich bin gerade dabei, eine Familie zu gründen - ein grosser Schritt, und irgendwie hab ich den Blues. Das erste Mal krieg ich so ein klammes Gefühl... kann ich meiner Verantwortung unserem Kind gegenüber gerecht werden? Bin ich so einer Aufgabe überhaupt gewachsen? Genereller gefragt: werde ich eine gute Mama sein?
Aber nicht zuviel grübeln, ich habe gar keine Zeit für Existenzängste, denn gegen Ende Woche wird’s wieder spannend: Frölein tritt im Fernsehen auf. Jaha! Und die Redewendung „ich hätte vor lauter Aufregung beinah ein Kind bekommen“ kriegt eine ganz neue Bedeutung :o)

Anfang Woche ist Heilig Abend und ich gehe mit meinem inzwischen offensichtlichen Babybauch im Kreis der Familie feiern. Das letzte mal Weihnachten ohne den Räuber, denn ab nächstem Jahr werden wir Weihnachten zu dritt feiern. Als Familie. Wenn ich das jetzt so schreibe, krieg ich gleich wieder Augenwasser... häch! Ich bin ja sowas von hormongesteuert. Die Sendung "Nur die Liebe zählt" ist bis auf Weiteres gestrichen - bin danach jeweils regelrecht aufgelöst. Peinlich ist das ;o)

Am 31. Dezember hab ich mit dem Frölein einen Silvestergig in der Stadt Bern. Der Räuber ist ebenfalls dabei und hilft mir beim Anlage hin- und herschleppen. Es wird ein anstrengender aber schöner Abend. Wir haben einen total netten Chef de Service, Italiener, der mir nach einem kritischen Blick auf den Bauch ein Mädchen prophezeit. Nun, er hat, wie alle andern auch, eine 50%ige Chance darauf, recht zu haben :o)



Dann um Mitternacht stossen wir an - mit viel Nachdruck und sehr feierlich. Auf ein aufregendes und spannendes Jahr 2008. Zum ersten Mal feiern der Räuber und ich Silvester nur zu zweit. Nun ja. Eigentlich ja zu dritt.

15 Mai 2008

Sowas von schwanger - 3. Monat

Diese Woche hab ich einen Termin bei der Frauenärztin. Höchste Zeit. Wenn ich das Würmchen gesehen hab, fühle ich mich vielleicht nicht mehr ganz so unschwanger. Denn ich hab mir das eigentlich etwas anders vorgestellt, das Schwangersein. Ich dachte bis jetzt, da kotzt man sich jeden Morgen die Seele aus dem Leib und ist nervlich schlicht am Ende. Ich ging von meinen premenstruellen Phasen aus, in denen ich meine Umwelt mit gnadenloser Griesgrämigkeit verpeste und alles ankeife, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. (Jaja, manchmal frage ich mich, wie der Räuber das amigs aushält. Aber nur manchmal).
Auf jeden Fall glaubte ich, schwanger sein bedeute, sich launenmässig so ungefähr auf dem Level „premenstruell hoch vier“ zu bewegen. Aber Irrtum. Und ich bin keineswegs unglücklich darüber. Der Räuber übrigens auch nicht.

Es geht also endlich zur Frauenärztin. Und jawoll – da ist ein Baby drin! Ich seh’s! Fasziniert verfolge ich das Geschehen auf dem Bildschirm des Ultraschallgerätes. Ein Menschlein. In meinem Bauch drin. Und alles dran! Kopf, Arme, Beine. Wow! Für einen Moment fehlen sogar mir die Worte. Aber ich finde das nicht nur wow. Irgendwie ist das auch - total schräg ist das! Ein Mensch im Bauch. Alienmässig gruselig, nicht? Aber die Ärztin sagt; alles in Ordnung. Und da ich bin froh!



Mit Pflaster auf der Vene, Ultraschallföttali, Ratgeberbüchern, dem Hinweis dass das Heben von Gegenständen keiner Abtreibung gleichkommt und der Gewissheit, dass eine Schwangerschaft durchaus zu überleben ist, verlasse ich die Praxis. Und nachdem ich nun weiss, dass es unserem Bébéli gut geht da drin fühle ich mich so stark, fit und superheldenmässig, dass ich gleich am Nachmittag den Radwechsel am Skoda mache... die Schrauben allerdings muss mir mein Schwager in Spe lösen, weil der Räuber die angezogen hat, als würde sein Leben davon abhängen. Und ich gelange in diesem Moment zur weltbewegenden Erkenntnis, dass deshalb, und nur deshalb, die Frauen nicht Radwechseln können: weil ihre Männer das zu verhindern wissen… schlichte Kraftprotzerei oder subtile Unterdrückung? Hach, mir jetzt eigentlich egal. Was interessiert mich der Geschlechterkampf? Ich bin schwanger! Und endlich fühle ich mich schwanger. Ich trinke Coca Cola obwohl ich das gar nicht mag und esse so viel Süsses wie schon lange nicht mehr. Ausserdem hab ich Abends um halb elf noch Lust auf Servelat und Schokolade könne ich nonstop futtern... Ich muss mich ständig ermahnen, nicht gleich jedem Gelüst nachzugeben... das schlägt sich schliesslich alles auf die Hüften. Und das ist doof. Ebenfalls ein eindeutiges Schwangerschaftsindiz: ich finde alles rührend, härzig oder süss und kriege ständig wässrige Augen… sogar bei blamabel Kitschigen Sendungen im Fernsehen. Und das ist auch doof.

Anlässlich des 80. Geburtstages von meinem Grosi nutzen der Räuber und ich die Gelegenheit, gleich die ganze Familie über die „anderen Umstände“ zu informieren. Eine gelungene Überraschung – es fielen etliche Kinnladen auf die Tischplatten :o)
Am Abend telefonieren wir den Geschwistern vom Räuber, um alle auf den gleichen Stand zu bringen. Eine schöne Arbeit! Wir sitzen da wie zwei Teenies beim Telefonstreich und amüsieren uns köstlich!

Es steht ein Gig mit dem Frölein an und ich mache mir so meine Gedanken: wie lange kann ein schwangeres Frölein eigentlich auf der Bühne stehen, bevor es zur unfreiwilligen Fruchtblasenshoweinlage kommt? Und was zieht ein schwangeres Frölein überhaupt an? Ein Zweier-Zelt? Gut, im Moment ist ja noch kein Bauch da - ömu kaum mehr, als da vorher schon war - aber ich rechne bös damit, dass das bald etwas mehr wird. So eine richtig grosse Kugel hätte ich gerne. Obwohl ich eigentlich finde, so hochschwangere Kugelfrauen sehen irgendwie unförmig aus… ich möchte auch unförmig werden!

Am 26. November findet den ganzen Tag lang das Finale vom kleinen Prix Walo statt und ich erzähle meinen Mitstreitern voller Stolz, dass ich schwanger bin. Und alle finden das schnusig. Und dann gewinne ich den kleinen Prix Walo. Ja Heimatland! – und unser Bébéli ist live dabei :o)

14 Mai 2008

Sowas von schwanger - 2. Monat



Es ist nicht so, dass ich überhaupt nichts bemerkt hätte... aber wer denkt denn gleich an sowas? Ja gut – eigentlich war ja damit zu rechnen. Durchaus sogar, denn die Pille hab ich schon länger abgesetzt. Und trotzdem starre ich nun ungläubig auf diesen zweiten rosa Streifen auf dem Schwangerschaftstest, zu dem ich die Anleitung nicht mehr hab, weshalb ich mir nun gar nicht sicher bin, ob dieser zweite rosa Streifen wirklich das bedeutet, was ich denke, das er bedeutet...

Naja, erst einmal hinsetzen und tief Luft holen. Ich bin allein zu Hause, ich kann mich niemandem mitteilen. Und Hund Flynn hat eh keine Ahnung, worum es geht, und wird mir auch nicht sagen können, was der zweite Streifen zu bedeuten hat. Er guckt mich an wie er immer guckt. Wie ein Hund halt. Nochmal einen Blick auf den Test - hat sich nichts geändert, die zwei rosa Linien sind immer noch da. Jetzt steh ich hier wie angewurzelt und überlege fieberhaft, ob denn nun der zweite Streifen positiv oder negativ bedeuten soll und ob ich nun die eine oder auch andere Eventualität positiv oder negativ finden soll... Also erst mal an den PC und googeln – die wissen da sicher, was so ein rosa Streifen zu bedeuten hat. Und ja. So wie es aussieht, ist der Test positiv und ja, ich finde das auch positiv! Es schiessen mir Dinge durch den Kopf wie; Windeln, Bauch, Essiggurken, Fasnacht, Fruchtblase, Kafi Schnaps, Umstandshosen, Mami, Zigaretten, Dammriss… autsch.... aber erstmal total egal. Ich bin komplett aus dem Häuschen und laufe vom Büro in die Küche in die Stube in die Küche ins Büro, den hinterhertrottenden Flynn im Schlepptau und den positiven Test in der Hand. Ich bin schwanger!

Minuten später sitze ich am Küchentisch, bin permanent am Grinsen und warte ungeduldig darauf, dass der Räuber nach Hause kommt, damit ich ihm diese Neuigkeit erzählen und ihm um den Hals fallen kann... was für ein Abenteuer!

Müsste mir jetzt nicht schlecht sein? Müsste ich nicht etwas spüren? Ist ächt alles in Ordnung? Wieso hab ich so viele Pickel im Gesicht? Ist das da eine Krampfader? Und wieso zum Teufel ist mir nicht schlecht? Muss das so sein? Ist das normal?

Eine Woche später:
Seit wenigen Tagen bin ich werdende Mutter und bereits jetzt hab ich meine eigene Mutter im „sich-Sorgen-machen“ um Längen geschlagen. Je mehr ich mich über das Schwangersein informiere, desto mehr Gründe finde ich, mir Sorgen zu machen... Und Internetforen sind das Allerletzte. Die häufigste Frage dort: „Ist das normal?“ Alle sind verunsichert und verunsichern sich gegenseitig noch mehr, indem sie sich verunsichernde Fragen stellen auf die dann niemand eine schlüssige Antwort weiss. Ob das normal ist? Vermutlich schon...

Am Wochenende hab ich zwei Frölein-Gigs. Mal überlegen, wie find ich das eigentlich; Frölein ist schwanger. Gut? Jep. Denn auch schwangere Leute können Singen. Glaub ich. Aber wie spielt man Gitarre mit einem Bauchumfang von einem ganzen Meter?

Zum Glück gibt es werdende Väter um werdende Mütter zu beruhigen. Der Räuber gibt mir zu verstehen, dass das alles tip top klappen wird: John Brack kann schliesslich auch Gitarre spielen. Trotz Bauch.

So langsam hab ich mich an den Gedanken gewöhnt, dass da tatsächlich was in mir wächst. Obwohl mir nicht schlecht ist. Und obwohl ich mich überhaupt nicht schwanger fühle. Das Einzige, was mich daran erinnert, schwanger zu sein, sind diese riesigen Elevit-Tabletten, die ich jetzt jeden Morgen runterwurgle... wegen den Vitaminen und so. Hat das Arztfrölein am Telefon gesagt. Und einen Arzttermin hab ich auch. Aber da muss ich noch total lange drauf warten... hoffentlich machen wir dann ein Ultraschall-Dings. Mit Föttali. Erst dann nämlich werde ich restlos davon überzeugt sein, dass ich nicht grundlos alle zwei Minuten an Babies denke und überall schwangere Frauen sehe.

Eine weitere Woche rum. Noch immer vergehen keine fünf Minuten, in denen ich nicht daran denke, wie schwanger ich doch bin, obwohl ich mich eigentlich bemühe, das Ganze noch mit Vorsicht zu geniessen. Denn schliesslich weiss man ja nie... da kann noch alles Mögliche schief gehen. Ja, es gibt sogar total Vieles, was da schief gehen kann. Man liest da ja die schlimmsten Sachen. Vermutlich lese ich einfach zu viel. Zu viele unheilvolle Prozentzahlen und viel zu viele furchteinflössende Statistiken mit viel zu hohen Fehlgeburtsraten... also beschliesse ich, mich zu entspannen, positive Energien fliessen zu lassen und mir nicht ständig Sorgen zu machen. Ausserdem höre ich auf zu Lesen. Ich versuche relaxed und einfach nur schwanger zu sein. Und irgendwie gelingt mir das überhaupt nicht. Ob das ächt normal ist?

Am liebsten würde ich es allen und jedem erzählen. Ich habe eh das Gefühl, dass man mir mein Schwangersein ansieht. Ja gopf, es steht mir doch auf die Stirn geschrieben, nicht? Ich zumindest finde es grausam offensichtlich. Aber ich gebe mir alle Mühe, mich nicht zu verraten. An jeder Party trinke ich Eichhof Alkoholfrei (Gott segne den Erfinder dieser Errungenschaft) und mache dem Begriff „Daumenbier“ alle Ehre... muss ja nicht gleich jeder sehen, was ich da trinke. Wäre nämlich auffällig. Finde ich. Und rauchen tu ich auch nicht mehr. Hei, das ist ja erst recht auffällig...