19 Juni 2006

Von der Subventionierung der Tomate

Über die Ernährung wird ja heutzutage ausgiebig diskutiert, ist es doch ein allgegenwärtiges Thema... Alle wollen sie jung und knackig bleiben, schlank und fit – und das hat nun mal sehr viel mit der Ernährung zu tun. Eigentlich wüssten wir ja alle, was gut für uns ist und was nicht, trotzdem verdienen sich die ganzen Diät-Pulver-Hüzer und Weight-Watcher-Häns eine goldene Nase an unseren Problemzonen... Kürzlich las ich, dass man eigentlich nur frisches Obst und Gemüse essen muss, am besten fünf mal täglich, und schon kann ernährungstechnisch gar nichts mehr schief gehen. Soweit so gut, dann mal her mit dem Grünzeugs - aber obacht! Eine Kollegin hat mich darauf aufmerksam gemacht: je gesünder desto teurer. Und tatsächlich: ein Apfel kostet satte 20 Rappen mehr als ein Marsriegel. Eine Peperoni ist teurer als ein Pack Popcorn, ein Salatkopf kostet fünfmal soviel wie ein Schoggistängali. Daher also die vielen dicken Kinder...

Dieselbige Kollegin hat mir dann auch sogleich die Lösung dieses Problems präsentiert. Die Subventionierung von Gemüse. Schliesslich wird ja heutzutage alles subventioniert, wieso nicht auch das. Gut, Gemüseanbau wird sicherlich zu einem Teil bereits unterstützt – davon hat zwar der Gemüsebauer was, nicht aber der Endverbraucher. Durch die Subventionierung der Tomate würde die vielgelobte gesunde Ernährung erschwinglich für jedermann. Ja, so abwegig wäre das nicht. Würden wir durch diese Vergünstigung mehr Gemüse essen, wären wir dadurch alle gesünder, könnten mehr und bessere Arbeit leisten, die Krankenkassenprämien würden gesenkt, die durchschnittliche Lebenserwartung erhöht... aber hoppla – dann gäbe es ja womöglich Probleme. Wenn so viele so alt werden reicht die AHV ja hinten und vorne nicht mehr – und wenn die Rentner zu fit sind, hat das Pflegepersonal in den Altenheimen nichts mehr zu tun. Es käme zur Massenentlassung im Seniorenheim. Alterssiedlungen stünden plötzlich leer. Fitnesscenter, Wandergebiete und Sportanlässe würden überschwemmt von rüstigen Rentnern. Ganze Heerscharen walkingwütiger Achzigjähriger würden durch unsere Wälder stapfen. Junggebliebene Mittsechzigerinnen würden uns in ihrem dritten Frühling die Liebhaber ausspannen... das ist keine gute Idee!

Vermutlich wäre es besser, die ungesunden Sachen zu verteuren, als die Gesunden zu vergünstigen. Man könnte eine Schoggi-Steuer erheben. Und man könnte in den Restaurants einen Nicht-Schoggi-Ecken einrichten, wo die Schoggiesser die übrigen Gäste nicht belästigen Ja, wenn ich es mir so überlege sollte man das Schokoladenessen in öffentlichen Gebäuden gleich gänzlich verbieten. Die Gefahr des Passiv-Schoggi-Essens würde somit auf ein Minimum reduziert... das ist ein guter Plan. So machen wir’s!

16 Juni 2006

Von Zehenbärten und anderen Modehits

Heute brachten die im Radio einen Bericht über Zehenbärte - also Haare auf den Zehen. Und dass es absolut unzumutbar sei gegenüber der restlichen Zivilisationsbevölkerung, wenn man eben diesen Zehenbart in offenen Schuhen zur Schau trage. Nun, ich bin da anderer Meinung. Ich finde Zehenbärte harmlos! Im Vergleich zu dem, was man im Sommer sonst noch so auf der Strasse antrifft ist ein Zehenbart geradezu sexy.

Vor kurzem hüpfte mir in der Fussgängerzone ein schwabbeliger, weisser, behaarter Bauch entgegen, unzureichend bedeckt von einem mit Fettflecken übersähten Brasilien-Shirt. DAS war eine Zumutung. Am ersten schönen Sommer-Sonne-Wochenende dieses Jahres waren in den Fussgängerzonen dieser Welt sowieso allerhand unzureichend bekleidete Gestalten unterwegs. Knochige Mädchen in Röckchen von der Grösse eines Pulswärmers und tief ausgeschnittenen Tops, die das nicht vorhandene Dekolletée betonen. Mittelalterliche Damen, die über den Winter ein paar Pfund zugelegt haben, es sich aber partout nicht eingestehen und daher in viel zu engen ohnehin schon knappen Sommertextilien die Strassen unsicher machen. Teenies, deren Hüftspeck behäbig aus der zu engen H&M-Jeans hängt dazu ein hochgerutschtes Top – am liebsten in der Grösse XXS... ja, da lob ich mir doch den Zehenbart.

Und da gebe ich an dieser Stelle gleich zu: auch ich habe diesen Winter ein paar Pfunde – wenn ich ehrlich bin können wir in Kilos sprechen - zugelegt. Und auch ich stand am ersten heissen Sommertag vor meinem Kleiderschrank. Verzweifelt. Besser gesagt lag ich da. Denn wie Frau ja weiss geht eine zu enge Hose besser zu, wenn man sich – um dieselbige zu schliessen – hinlegt. Und in dem schönen Top vom letzten Sommer sehe ich dieses Jahr aus wie ein Pirelli-Männchen für Arme... Aber ICH habe mich nicht einfach damit abgefunden. Ich habe die Kleider in den Sack geschmissen, den Fussballmatch zu Hause geguckt - und am nächsten Tag ging ich Sommerkleider kaufen – in Winterkleidern...

Aber letzendlich wäre der Sommer nur noch halb so schön, wenn es nicht eben genau diese kleinen modischen Fehltritte zu bewundern gäbe. Letztes Jahr waren es die Stringtangas, die mit Vorliebe bis unter die Achseln hochgezogen wurden, während der Bund der eigentlichen Hose frühestens beim ersten Schamhaar begann. Dieses Jahr sind es Zehenbärte und Pulswärmer – letztendlich macht es ja auch Spass, einander beim Anblick solcher Modeabartigkeiten zuzugrinsen. Und dies bildet wiederum eine gute Grundlage, mit anderen Leuten ins Gespräch zu kommen - und somit hat auch ein Zehenbart durchaus seine Berechtigung!

09 Juni 2006

Jedes Mädchen wünscht sich ein Pony - ein Pony Sachs 503!!


Wenn man so im Juhee draussen aufwächst wie ich und zudem noch so bewegungsfaul daherkommt, dann gibt es mit 13 nichts, was man sich sehnlicher herbeiwünscht als endlich älter zu werden und somit der Gilde der Töfflifahrer beizutreten! Mein Pony war ein wirkliches Bijou. Feuerwehrrot, mit Speichenrädern, Handschaltung, glänzenden Chromteilen – Woah! Ich erinnere mich als ob es gestern gewesen wäre, als ich mit meinem Vater beim Bossert in der Werkstatt stand und zum ersten Mal mein Pony sah - gopf, war ich stolz. Mein Töffli.

Von diesem Moment an begleitete es mich überall hin. Kein Weg war ihm zu steil, keine Strasse zu högerig... ein treues Gefährt. Und das schönste Töffli weit und breit - obwohl in dieser Beziehung nicht alle meine Meinung teilten. Aber gings an eine Hundsverlochete irgendwo im Gjätt, so fuhr ich sauber an den ganzen Puch Maxis vorbei und sass längst beim Bier, wenn die anderen tretend und keuchend ankamen. Was für eine schöne Zeit das doch war. Obwohl es mich auch ein-, zweimal gehörig auf den Latz geknallt hat – um kein Geld möchte ich die Zeit mit meinem Töffli missen.



Jahrelang war mir mein Pony treu – bis zu jener Nacht, in der es mir gestohlen wurde. Jahaa - empörte Aufschreie des Publikums durchaus erwünscht! Ein skrupelloser, gemeiner Siech hat es einfach mitgenommen. Trotz Anzeige und intensiver Suche – mein Pony blieb verschwunden. Ich könnte heute noch zännen... tja, nicht lange Zeit später begann ich dann halt mit der Autoprüfung - es blieb mir nichts anderes übrig. Wäre mir mein Töffli nicht geklaut worden – ich wäre heute noch damit unterwegs...

Leider ist der Zweitakter mittlerweile stark vom Aussterben bedroht. Stinkige Roller nahmen seinen Platz ein und man sieht sie jetzt nur noch selten. Traurig. Doch es gibt noch ein paar wenige Liebhaber, die es sich zur Pflicht gemacht haben, das Töffli weiterleben zu lassen. Es sind das zum einen die Ennetmoser mit ihrer „Teffli-Rally“. Und zum andern Nils Blättler, Filip Erzinger und Daniel Infanger die das „2-Takt-Buch“ herausgegeben haben. Grosse Freude!

Ruuggen und Guuggen... Fasnacht halt


Wenn eine am 11.11. auf die Welt gekommen ist, ist die ja sozusagen schon von Haus aus verpflichtet, an der Fasnacht teilzunehmen. Wenn dieselbige dann auch noch im Kanton Luzern hausig ist – keine Frage; gehört an die Fasnacht!

Nachdem ich mir dessen bewusst war, trat ich den Ringligüüssern bei. Zwei Jahre lang hatte ich jeweils eine so richtig stränge Fasnacht mit allem Palimm Palimm, das da so dazugehört. Organisieren von Riesenfesten, aufwendige Kostüme nach Schnittmustern nähen, Alkoholtrinktraining in der Vorfasnacht, Schminken per Airbrush, Abschminken per Kopfkissen, Wackelnde Schneidezähne vom Trompeten-Marathon, Carreisen an irgendwelche Riesenbälle die erst morgens um 3 Uhr wieder retour gingen... Hei, war das anstrengend. Und so sehr ich die Ringlis auch mag... als eine der ältesten im Verein spürte ich nach zwei Fasnachts... ist wohl doch zu sträng für mich. Also verkaufte ich meine Trompete einem Wegere-Güüsser und wechselte den Verein. Die Napfrugger mussten dran glauben und mich in ihre Runde nehmen – was die prompt taten.

Letztes Jahr war ich erstmals mit ihnen unterwegs und bereits bin ich mehr oder minder traumatisiert – also, auf positive Art und Weise natürlich. Frei nach dem Motto „Very British“ war ich als Buckingham Guard unterwegs. Aber erst, nachdem ich Euphonium spielen lernte und dazu ca. 30 Lieder auswendig (ächz!). Dafür gab’s sonst nichts zu meckern. Hatte eine gediegene Fasnacht mit tollen Leuten und grandioser Musik... herrlich. Aber ganz ehrlich: es war im Fall nicht viel weniger ansträngend als mit den Ringlis!